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konsens - kein konsens

Die Ausstellung der Ateliergemeinschaft Bettenfedernfabrik im Kubus der Städtischen Galerie Hannovers trägt den Titel „konsens – kein konsens“. Ein ganz normaler Titel, wie ihn so viele Ausstellungen zeitgenössischer Kunst tragen, könnte man meinen. Ein Titel der von Kuratorinnen und Kuratoren erdacht wurde, um Kunstwerken, die nur wenig, bis gar nichts miteinander gemein haben, einen gemeinsamen Rahmen zu geben. Dieser thematische Rahmen nämlich, der häufig als roter Faden durch die Ausstellung führen soll, wirft jedoch zumeist Fragen auf, die den Zugang zu den einzelnen Werken eher verwirren und verunklaren.

 

Im Fall dieser Ausstellung ist dies anders, denn „konsens – kein konsens“ ist mehr als nur eine Themenausstellung. Sie ist ein modus vivendi, eine grundlegende Einstellung, ein Lebensgesetz, das die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler tagtäglich – auch außerhalb der Ausstellung – als Gemeinschaft zusammenhält. Darum geht es nämlich in dieser Ausstellung. Sie zeigt das gemeinsame Bild eines komplexen Gemeimschaftsgefüges, das seit 20 Jahren daran arbeitet, wie die unterschiedlichsten Individuen mit ihren ganz unterschiedlichen und teilweise divergenten Interessen miteinander leben und arbeiten können. Das dies nicht immer in absoluter Harmonie passiert, liegt in der Natur der Sache. Dissens und Streit sind daher fester Bestandteil der Atelierkultur. Allerdings schaffen es alle Beteiligten sich auf einen magischen Konsens zu einigen, einen Konsens, dem sich aller Dissens unterordnet.

 

In historischen Urkunden stand auf Dokumenten „consensus“ geschrieben, wenn eine gezielte Einigung erst nach den dogmatischsten Streitigkeiten erzielt werden konnte – Consensus ist in diesem Sinne der geheime Untertitel dieser Ausstellung, denn die Einigung, die am Ende von allen unterschrieben werden kann, ist die allgemeingültige Oberhoheit der Kunst. Die Ausstellung lässt sich daher als ein bildgewaltiges Bekenntnis zur Freiheit und Diversität der Kunst lesen. Nur vor diesem Hintergrund können die einzelnen Arbeiten zu einem großen und gemeinsamen Ganzen geformt werden.

 

(Text: Frank-Thorsten Moll, Direktor des IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst in Eupen)