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Warum Schreber?
Der etwas kränkliche Daniel Gottlieb Moritz Schreber, Sohn eines kleinen Advokaten, wächst in Leipzig auf. Mit viel Entbehrungen und Fleiß schafft er das Medizinstudium und seinen Doktor. Tägliche Turnübungen stählen ihn. Nach dem Studium reist er als Leibarzt eines russischen Fürsten durch Europa. 1836 lässt er sich als Kinderarzt und Orthopäde in seiner Heimatstadt nieder. Die Heirat mit Pauline Haase, Tochter des Prof. Haase, zeitweiliger Rektor der Universität, öffnete ihm die Tür in „bessere“ Kreise der Leipziger Gesellschaft. Fünf Kinder werden ihnen im Laufe der Jahre geboren.

Schrebers Versuch eine Kinderheilanstalt zu gründen scheitert zunächst. Aber im Jahre 1847 eröffnet er eine Orthopädische Heilanstalt , die sich zu einem lukrativen Unternehmen entwickelt. Er ließ eigens ein neues Haus bauen, in dem Anstalt und Wohnräume der Familie vereint sind.

Moritz Schreber entwickelt verschieden Geräte und Apparaturen zur Verbesserung der Körperhaltung, u.a. gegen Verkrümmungen und O- Beine, Kinnbänder gegen Fehlbiss, Schulterriemen zum gerade Liegen, Schulterhalter zum gerade Sitzen. Bei nicht Einhaltung kommt es zur Schmerzverursachung. Zur Triebabfuhr wird mit mechanische Geräten experimentiert, die die Masturbation verhindern sollen. Vor allem die zwei Schrebersöhne, die später zu trauriger Berühmtheit gelangten, müssten Riemen und Geräte testen. Askese und Gehorsam und Bestrafung durch Liebesentzug, nicht aber Gewaltanwendung, gehören zum pädagogischen Programm von Moritz Schreber. Das Schicksal der Schrebersöhne wird immer wieder als Beweis für das misslungene Erziehungssystem des Vaters angeführt. Der ältere nimmt sich mit 38 Jahren durch Kopfschuss das Leben Sein Bruder Paul geht als klassischer Fall für Paranoia in die Psychoanalyse ein. Sigmund Freud beschäftigt sich mit ihm. Paul verbringt viele Jahre in unterschiedlichen Irrenanstalten. In seinem autobiografischen Werk „Die Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ beschreibt er seine traumatischen Erfahrungen.

Mit den Folgen der Industrialisierung konfrontiert, gründet Dr. Moritz Schreber mit anderen Professoren den 1. Leipziger Turnverein und fordert von der Stadt, Grünflächen als Spielplatz für Kinder zu schaffen. Über den Nutzen von Gartenarbeit sind keinerlei schriftlichen Äußerungen von ihm bekannt. Hingegen propagiert er in seinen theoretischen Schriften die gesundheitsfördernde Wirkung der Heilgymnastik und Bewegung im Grünen.

1851 verändert ein Unfall das Leben von Moritz Schreber. Kopfschmerzen, Depressionen und Wahnvorstellungen plagen ihn. Er bezieht eine separate Wohnung im Haus, bricht weitgehend alle sozialen Kontakte ab und widmet sich ausschließlich seiner theoretischen Arbeit. 1861 stirbt er an einem Blinddarmdurchbruch.

Dr. Daniel Gottlieb Moritz Schreber (1808-1861) war an der Entstehung der Kleingärten nicht beteiligt. Es ist sein Schwiegersohn, der Schuldirektor, E.I. Hauschild, der nach dem Tod von Schreber einen Kind gerechten Turn- und Spielplatz errichtet, den er nach dem geistigen Vordenker „ Schreberplatz „ nennt. Oberlehrer Gesell lässt dann an diesem Platz kleine Gärten anlegen, damit die Schulkinder sich an frischer Luft betätigen. Naturgemäß vergeht den Kindern alsbald die Lust an Gartenarbeit, so dass die Eltern zu Gärtnern werden. Aus Kinderbeeten werden Elternbeete, die man später parzelliert und einzäunt.

Damit ist der Schrebergarten aus der Taufe gehoben.